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Beitrag im Amtsblatt NRW 5/2008

Beitrag im Amtsblatt NRW 5/2008

Publikationen - Publikationen


Wir wurden vom Schulministerium gebeten, einen Beitrag für das Amtsblatt zu schreiben, das monatlich allen Schulen in NRW zugeht. Er erschien im Mai-Heft 2008 von "Schule NRW":


Brigitte Dörpinghaus, Rektorin, Gemeinschaftsgrundschule Hackenberg:

Fördern und Fordern

Individuell und leistungsgerecht lernen

Auf dem Teppich in der Bibliothek der Gemeinschaftsgrundschule Hackenberg sitzen Kinder um Rollwagen mit bunten Bilderbüchern. Eigentlich scheinen sie noch etwas zu jung für den Besuch einer Schule zu sein: Es ist die Vorschulgruppe der benachbarten Kindertagesstätte. Sie schmökern in den vielen schönen Büchern oder lassen sich in der Sofaecke von ihren Erzieherinnen und Erziehern vorlesen. Gleichzeitig sitzen an Tischgruppen Kinder der Klasse 1 mit ihren Müttern und demonstrieren ihnen stolz die neu erworbenen Lesekünste.

Intensive Kooperation mit Kindertagesstätten
Dies ist Teil der engen Kooperation unserer Schule mit den umliegenden Kindertagesstätten. Hierdurch entstehen frühe Kontakte zwischen den Kindergartenkindern und ihrer zukünftigen Schule. Schwellenängste werden abgebaut und Interesse geweckt. Für regelmäßige gegenseitige Hospitationen haben Lehrkräfte,  Erzieherinnen und Erzieher den Boden bereitet. Die Teilnahme der Schulleiterin an Elterngesprächskreisen in Kindertagesstätten und die Einladung der Eltern zu Informationsabenden in der Schule verstärken Kooperation und Austausch.
Ein wichtiger Höhepunkt ist für die Kinder noch vor den Sommerferien die Einladung in ihre zukünftigen Klassen. Hier lernen sie bereits ihre Klassenlehrerin und die zukünftigen Mitschülerinnen und Mitschüler kennen.

Neues Verständnis von Klassen
In vier jahrgangsgemischten Eingangsklassen der Stufen 1 und 2 und in einer Montessoriklasse werden sie die Lernprozesse fortführen, die sie schon seit ihrer frühesten Kindheit begonnen haben. Dass dies sehr unterschiedlich verlaufende Prozesse sind, versteht sich in einer Schulform, die alle Lerncharaktere und Leistungsfähigkeiten vereint. Zudem lernen in fünf Klassen Kinder mit besonderen Förderbedarfen im gemeinsamen Unterricht mit den anderen Kindern, unterstützt durch vier Sonderpädagoginnen, die zur Schule gehören.

Frühe Förderung und diagnostische Verfahren
Um für diese Aufgaben gerüstet zu sein, suchen wir in einem stetigen Prozess geeignete Mittel und Wege. Die frühe Förderung und Forderung der Kinder nach ihren individuellen Voraussetzungen liegt uns besonders am Herzen. In Zeiten vorgezogener Einschulungstermine und der Aufnahme immer jüngerer Kinder - allein im nächsten Schuljahr werden neun Kinder die Schule frühzeitig als so genannte „Kann-Kinder“ besuchen - muss die Antwort auf die veränderten Anforderungen in einem sehr differenzierten, individualisierten Lernen liegen. Jedes Kind soll zu jedem Zeitpunkt so viel lernen, wie es gerade in dieser Lernphase vermag. Genaue Beobachtung und Diagnostik ist dafür grundlegend. 
 
Nach dem diagnostischen Aufnahmeverfahren werden im Januar vor der Einschulung unsere so genannten „Unterrichtsspiele“ mit gezielter Beobachtung und schriftlicher Dokumentation durch jeweils drei Lehrkräfte durchgeführt. Etwa zehn Kinder in einer Gruppe erleben ihre erste „Unterrichtsstunde“ und nach Auswertung der Ergebnisse erfolgen Elterngespräche, in denen eventuell noch nötige Fördermaßnahmen bis zum Schuleintritt vereinbart werden.

In den ersten Unterrichtswochen werden gezielte Beobachtungen durch die Klassenlehrerinnen durchgeführt, die bei Bedarf durch die Sonderpädagoginnen oder außerschulische Partner wie den Schulpsychologischen Dienst unterstützt werden. Ein Vorteil der Jahrgangsmischung ist, dass nicht so viele Lernanfängerinnen und Lernanfänger auf einmal beobachtet werden müssen. Das eigenständige Lernen der bereits geübten Zweitklässlerinnen und Zweitklässler lässt mehr Zeit für das neu eingeschulte Kind.

Ergänzt wird das Bild, das wir uns von jedem Einzelnen machen, durch die Durchführung der „Offenen Diagnosewerkstatt“, die die GGS Hackenberg entwickelt hat und an deren Aufgaben jedes Kind in den ersten Wochen arbeitet. Sie gibt Aufschluss über den Stand der motorischen und geistigen Entwicklung und über das erworbene Vorwissen. Die Auswertung aller Ergebnisse und der Austausch aller Beteiligten - auch aus dem Offenen Ganztag -  ergibt die Gesamteinschätzung des Kindes , die in den ersten Elternsprechtagen vor den Herbstferien besprochen wird.

Gestaltung eines anregungsreichen Lernumfeldes
Grundlage individualisierten Lernens sind offene Unterrichtsformen und geeignete Lernmaterialien. Mit ihrer Hilfe können auch bereits die Kinder der Schuleingangsphase an eigenverantwortliches und selbstständiges Lernen herangeführt werden.

Offene Unterrichtsformen wie Arbeiten nach freier Wahl oder nach Plänen, Stationenlernen, Werkstattlernen, Arbeiten an Projekten oder übergreifenden Themen, Lernen in Unterrichtsgesprächen oder Gesprächskreisen sind schon lange übliche Methoden der Schule.

In den Klassenräumen trägt die Bereitstellung von differenzierten Unterrichtsmaterialien und die Gestaltung der Lernumgebung den Anforderungen eines solchen Unterrichts Rechnung. Zusätzlich zu der Montessoriklasse sind zwei weitere Eingangsklassen mit ergänzendem Montessori-Material ausgestattet. Jeder Klassenraum verfügt über einen Internetanschluss und vier bis sechs Computerarbeitsplätze für die Nutzung der damit verbundenen Lernmöglichkeiten. Die eingesetzten Unterrichtswerke und die vorhandenen Lehr- und Lernmaterialien sowie die Lernsoftware werden unter den beschriebenen Aspekten ausgewählt, evaluiert und eventuell verändert. Dabei sind uns traditionelle wie neue Medien gleichermaßen wichtig.

Selbstgesteuertes Lernen
Besonders im Bereich des Lesen- und Schreibenlernens sind die Unterschiede im Vorwissen ganz erheblich. Einzelne Kinder kennen schon viele oder alle Buchstaben, können etwas lesen und manchmal auch schreiben. Andere Kinder wiederum haben sich noch gar nicht dafür interessiert, vielleicht weil sie Zahlen interessanter finden oder weil sie bisher noch rein spielerische Prozesse durchlaufen haben. Daher verbietet sich unseres Erachtens die mehr gleichschrittige Vorgehensweise nach einer Fibel. Unsere Kinder lernen mit gezielten Materialien zum Buchstabenlernen wie Abhörkarten, PC-Programmen und Arbeitsblättern zum Schreiben und optischen Differenzieren der Buchstaben. In dazugehörigen Pässen dokumentieren sie ihr Vorankommen. Es kann sein, dass einige Kinder viel Zeit brauchen um Gelerntes nachhaltig zu sichern. Andere Kinder müssen gar nicht alle Buchstaben bearbeiten, da sie bereits den größten Teil beherrschen.
Ebenso stehen viele verschiedene Materialien zum Lesenlernen bereit, das ebenfalls in Fortschrittspässen dokumentiert wird. Wenn ein Kind zum ersten Mal den Satz „Male ein Sofa.“ selbstständig erlesen hat, kann man ihm den Stolz vom Gesicht ablesen. Ein anderes Kind wiederum hat diese Aufgaben vielleicht ganz überschlagen, weil es schon kleine Texte lesen kann und bereits die dazugehörigen Aufgaben bearbeitet.

Im Bereich Mathematik ist die Spanne ebenso groß. Lars braucht möglicherweise sehr lange um sich sicher im Zahlenraum bis 20 zu bewegen. Vielleicht nimmt er im nächsten Schuljahr sogar noch einmal an den grundlegenden Übungen der neuen Erstklässler teil. Petra hat schon gute Vorstellungen über diesen Bereich hinaus und kann schon einige oder alle Übungen der Zweitklässler mitmachen.

Wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler Selbstverantwortung für ihr Lernen übernehmen. Sie lernen, sich selbst einzuschätzen, sind stolz auf ihre Stärken und akzeptieren zunehmend ihre Schwächen. Beides ist Ansporn zum Weiterlernen. Ihre Einschätzungen decken sich oft in erstaunlicher Weise mit den Beobachtungen der Lehrkräfte. Die Portfolioarbeit ist ein geeignetes Instrument um diese Selbsteinschätzung und Lernkompetenz auszubauen. Sie ermöglicht der Lehrkraft, mit jedem Kind ins Gespräch zu kommen, um eine weitere individuelle Förderung durch die Bereitstellung angemessener Materialien und Angebote zu gewährleisten. Dies kann auch in Kreis- oder Einzelgesprächen stattfinden. In Hausaufgaben-Portfolios geben die Kinder Rückmeldung über die Lernabläufe, anfangs einfach durch Smilies, später durch ergänzende Sätze, Kommentare und Vorschläge.

Über sich selbst und die Klasse hinauswachsen
Hervorragende Fortschritte eines Kindes fordern heraus zu besonderen Angeboten. Zur Zeit nimmt ein Kind des zweiten Schuljahres an unserem Drehtürmodell teil, in dem hauptsächlich leistungsstarke Kinder der vierten Schuljahre im Selbstlernbereich der Schulbibliothek eigenständig an gewählten Themen arbeiten. Der Junge war in den Ferien in China und bearbeitet nun zusammen mit einem anderen Kind am Laptop und mit Hilfe der bereitstehenden Sachbücher das ihn außerordentlich interessierende Thema „Chinesische Mauer“. Später werden sie die Ergebnisse einem geeigneten Publikum auf selbst gewählte Weise elektronisch, schriftlich oder im mündlichen Vortrag präsentieren.
Schnell lernende Kinder erhalten so die wichtige Gelegenheit, in einem entsprechenden Lernumfeld ihr eigenes hohes Potential zu erkennen und auszuschöpfen und mit Kindern der gleichen Leistungsfähigkeit zusammenzuarbeiten.

So versuchen wir, allen Kindern zu einer bestmöglichen Entwicklung ihrer Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit zu verhelfen. Wir freuen uns, wenn am Tag der offenen Tür die Eltern nach dem besuchten Unterricht aus den Klassen kommen und begeistert zurückmelden, dass sie Kindern dieses Alters niemals ein solch eigenständiges und zugleich freudiges Lernen zugetraut hätten!


 

 
Offener Ganztag

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Willkommen im 
Offenen Ganztag!

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